Kamera mit Saatbestellung

Auf RTL wurde am 30.12.06 (”nur heute”) eine flache Digi-Kamera angeboten, vom Moderator Walter und einem angeblichen Fachmann hochgelobt, Modell “SwissTech” „in der 300er Preisklasse“, für Österreich 144,95€, mit 1GB Speicherkarte, keine Versandkosten!

1) Preis: Per Nachnahme waren 163,90€ zu zahlen. Zu den 144,95 (=Nettopreis + 20%Ust) kamen noch: 1,63 für ein”Treue Bonus Aktionsprodukt” (ein faltbarer Wäschekorb), bei dem der Eindruck erweckt wurde, es handle sich um ein Werbegeschenk, eine “Handling’s Gebühr” 4,96 und ein “Event-Angebot” 96 cent (was das war, weiß ich nicht). Dann Nachnahme-Porto 4,13 und eine Transportversicherung 4,13€. Für diese letzten 5 Posten wieder 20% Ust, sodass sich insgesamt 163,90 ergeben. Im Bestellzentrum meint man allerdings, zu dem angegebenen Preis käme nur die Nachnahmegebühr.

2) Artikel und technische Qualität: Der Name „Swiss Tech“ soll eine westliche Technologie vortäuschen: die Kamera fragt statt “löschen?” “läschen?”, die Bezeichnungen in der spärlichen Gebrauchsanweisung sind andere als in der Kamera, es gibt keinen Herstellerhinweis, somit keine Garantie oder Support. Die AGB wurden mitgeliefert.
Es gibt keinen Sucher, fotografiert wird über das Display. Aufnahmen im Dunkeln sind Glückssache, ebenso wie Nahaufnahmen.
Unverständlich sind auch die seltsamen Meldungen “Akte Störung” oder “kein Raum”. Für beides findet sich in der Gebrauchsanweisung keine Erklärung (wurde mittlerweile von einem Auskenner als “keine Dateien” und “Speicher voll” “übersetzt”). Im Menue befindet sich der Punkt “Saatbestellung” und “Drehen Sie sich”.
Statt “nein” nur “ein” (zu läschen, Saatbestellung, drehen), was zu Mißverständnissen führen kann.
Aus welcher Sprache für dieses “Swiss-Tech”- Gerät übersetzt wurde, ist mir unklar – jedenfalls nicht aus dem Schweizerischen . Die Gebrauchsanweisung ist widersprüchlich, z.T. unverständlich wegen der sprachlichen Schwächen (im Menü gibt es drei ostasiatische Zeichensprachen).
Normale Kontraste von Licht und Schatten verkraftet die Kamera nicht, ärgerlich ein schwarzer Punkt bei Gegenlicht (Sonnenuntergang), Nahaufnahmen und auch Weitwinkel funktionieren nicht. Abgesehen davon, daß man ein zu blitzendes Objekt am Display nicht sieht, geht es schon aus normaler Entfernung von 1,5m nicht.
Durch Verzögerung sind keine Schnappschüsse möglich.
Fürsorglich ein Warnhinweis in der Gebrauchsanweisung: “Sollten Sie jemals Rauch oder Geruchsbildung in der Camcorder bemerken, schalten Sie sie bitte umgehend aus. Nehmen Sie daraufhin die Camcorder-Batterie heraus und achten Sie dabei darauf, sich nicht die Finger zu verbrennen”.

3) Bei der Kamera sollte eine Speicherkarte von 1 GB dabei sein (großartig in der Werbung aufgemacht: ein Riesenteller mit Filmen,die man sich erspart!): dabei ist allerdings nur eine mit 512 MB und man kann nur 180 Bilder damit machen (während eine andere von 254 MB mit anderer Kamera bei gleicher Auflösung über 300 schafft.).

4) Die Rücksendung ist laut AGB kompliziert und teuer, eine RMA-Nr.in der Schweiz ist zu ertelefonieren (s.u.), das Porto ist selbst zu zahlen, 10€ „Handlingskosten“ werden abgezogen, will man keinen Gutschein, kommen 10€ Überweisungsgebühr dazu und bei Postüberweisung 10€ extra. Abgeschreckt durch diesen großen Verlust lasse ich es.

5) Kundendienst: Mails, auch über die Homepage, werden zunächst nicht beantwortet, dann nur mit Hinweis auf die Telefonnummern in der Schweiz oder Liechtenstein. Nach langem Durchnavigieren und der Ansage der computergesteuerten Kundennummer steckt man bei penetranter Musik und einer Frauenstimme, in einer endlosen Warteschleife. Nach jeweils 5-10 Minuten legte ich auf. Einmal kam nach 6 Min. doch eine menschliche Stimme, ich wurde “an eine Kollegin weitergeleitet” – Warteschleife – und legte nach 8 Minuten auf. Insgesamt ½ Std Auslandsgebühren!
Verzögerungstaktik: Obwohl ich bereits unmittelbar nach dem Kauf mehrmals versucht habe, Kontakt mit dem Kundendienst aufzunehmen, meinte man 5 Monate später, als sich eine Verbraucherberatung darum kümmerte, weil ich die Versprechungen für derart überzogen und die Mängel für derart gravierend hielt, daß ich Gewährleistung geltend machen wollte, der Kauf liege zu lange zurück und überdies sei die Kamera jetzt “gebraucht” ( wegen 8 Bildern zum Ausprobieren!).
Es ist sinnlos, die drei Kundendienste zu fragen, was sie sich unter den Bezeichnungen im Menue vorstellen, sie antworten nicht. Eine Einsendung von Beispielbildern war nicht möglich, da man eine Eingabe nur über ein Formular auf der HP will.

6) Werbung Der fast idente Artikel wird immer noch (”nur heute”) angeboten, vor einigen Monaten stand darauf „YayTech“, dann ist ein ganz ähnliches Modell mit großem Display dort unter UPmedia, heruntergesetzt von 134,95 auf 103€ zu finden.
In einem Teleshop in Wien gibt es ein fast identes Modell nur in rosa, immer noch als “Swiss Tech”. Öffnen der Packung ist nicht möglich.
Jetzt in der Werbung: “nur digitalen Zoom kann man vergessen, wir brauchen optischen Zoom” – obwohl ersterer vor einigen Monaten hochgelobt wurde.
Der Werbespot wird ständig wiederholt, unmöglich, dass innerhalb von ein paar Minuten 2000 Stück verkauft werden. Bei einer Umfrage in einem großen deutschen Forum fand sich kein einziger Käufer.

Und in der Werbung heißt es: „“Ganz ohne Risiko“.“Service an erster Stelle“, “Lassen Sie es sich gutgehen“, “Bei allen Fragen und wenn Sie Hilfe brauchen, stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung“.

Ich werde bei jedem “Läschvorgang” an Teletip bzw den RTL-Shop und diesen Fehlkauf erinnert.

(3.78 von 5 Sternen, Durchschnitt nach 9 Bewertungen)
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4 Kommentare zu “Kamera mit Saatbestellung”

  1. Christian sagt:

    kann Deinen Frust verstehen. Danach ist man leider immer gscheiter! Man kann nur von solchen und ähnlichen Käufen abraten. Speziell die Dinge, die einem in Verkaufs-Sendungen aufgeschwafelt werden, sind nichts wert. Denk doch daran, wie super die das alles minutenlang schönreden können, gespickt mit psychologischen Verkaufstricks. Ich ertappe micht sogar oft dabei, wie ich lange nicht von solchen Sendungen wegzappe, weil ich echt fasziniert bin, wie gut das alles gemacht ist. Nur, richtig interpretieren sollte mans halt….
    lg

  2. Brigitte sagt:

    Es war das erste Mal, daß ich bei einem Teleshop etwas gekauft habe. Damals waren die ganz flachen Kameras ganz neu auf dem Markt und auch noch ziemlich teuer. Mir schien sie ideal für eine kleine Tasche – ich bin diesem unmöglichen “Walter” richtig auf den Leim gegangen. Dessen Chef und der angebliche “Fachmann” ist, wie ich jetzt weiß, der Firmeninhaber.
    Schlimm aber, daß dieser “Kundendienst” weiter so fuhrwerken kann, keine Gewährleistung, keine Garantie. Das mindeste wäre gewesen, daß man mir die versprochene 1 GB-Karte schickt.

  3. Bernhard sagt:

    Im Teleshop habens sicher auch gesagt, dass “Materialien aus der Weltraumtechnologie” verwendet werden.

    Werde mein nächstes Auto im Teleshop kaufen, vielleicht erhalte ich dann ein Geschirr-Tuch gratis dazu.

  4. SuperZyniker sagt:

    “Christian” hat es bereits richtig erkannt und gesagt:

    Die Teleshopping-Sendungen verkaufen zu 99,99% Schrott zu überteuerten Preisen.

    Wenn die Produkte WIRKLICH so gut wären, wie in den Endlossendungen immer behauptet und mit angeblichen “Experten” oder zufriedenen (=bezahlten Schein-)Kunden “bewiesen” wird, dann müßten diese doch wohl ein Renner sein und somit in jedem Supermarkt zu bekommen sein.

    Da die wenigsten Produkte – und selbst diese – meist nur in wenigen Shops oder im seriösen Versandhandel erhältlich sind, wird dies wohl an der Qualität der Produkte und den verlangten Wucherpreisen liegen, welche eben auf dem normalen Markt so gut wie unverkäuflich sind.

    Leider scheint sich das Teleshopping-Geschäft durch die vielen DAU-Zuschauer, welche diese Märchen glauben und bei halbseidenen Firmen kaufen, die meist juristisch günstig im Ausland angesiedelt sind und zur Verschleierung und Gewinnmaximierung noch dazu meist nur über teure Auslands- bzw. Sonderrufnummern (08xx) erreichbar sind, weiterhin bestens zu rentieren.

    Daran wird sich aber – genauso wie bei den Gewinnanrufen und Gewinnmitteilungen, welche nur zur Abz0cke mit Mehrwertnummern bzw. der Teilnahme an Kaffeefahrten und mehr oder weniger direkter Nötigung zum Kauf überteuerter Schrott-Produkte dienen – so lange nichts ändern, als sich genügend Dumme weiterhin abzocken lassen.

    Erst wenn niemand mehr bestellt und die Firmen auf ihren Kosten für die TV-Sendungen und Telefonnummern etc. sitzenbleiben, wird dieses “Geschäftsmodell” verschwinden.

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